Fleisch essen: Zum Sterben schön!

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Wer bedingungsloser Tierschützer ist, darf sehr wohl schockiert sein, wenn Bilder aus konventionellen Schlachthöfen zu sehen sind.  Aber wer bedingungslos Fleisch essen will, ist für das Schlachten mitverantwortlich und sollte sich dann auch für den wahren Genuss mit dem Töten von Tieren intensiv auseinandersetzen. 

Tier-Töten-Fleisch – diese Assoziation haben viele nicht

Es ist hierzulande lange her, dass jemand, der Fleisch wollte, ein Tier selbst töten musste. Ausnahmen sind heute noch Jäger, Angler und Menschen, die sich selbst oder, wie Metzger, sich und andere mit Fleisch von Beruf wegen versorgen.

Insbesondere seit der Industrialisierung der Fleischproduktion und dem Töten der Tiere in riesigen Schlachthöfen spielt das Schlachten im Leben der meisten Menschen keine Rolle mehr. Die Produkte liegen fertig im Diskounter, bestenfalls in der regionalen Metzgerei. Wenn man als Kunde Tiere sieht, dann Fotos von lebendigen, sich augenscheinlich wohlfühlenden „Vorzeigetiere“. Sie lösen kaum eine Assoziation aus mit einem Stück Lende oder Currywurst. Sie haben auch sehr wenig mit dem Leben der meisten Schlachttiere zu tun.

Wir assoziieren mit den Produkten vor allem den Geschmack und den Genuss des Essens – eine positive Assoziation, die schon Kinder früh lernen. Wir gewöhnen uns daran, dass Fleisch verfügbar und bequem zu kaufen ist. Und wir stellen kaum noch den Zusammenhang her zwischen dem Essen und dem Leid und Tod des Tieres – was für viele eine negative Assoziation wäre.

Nicht friedlich entschlafen ist oder zu Tode gekuschelt 

Die meisten Menschen sehen die lebenden Nutztiere in der Realität nur noch selten oder gar nicht mehr. Nur ein Bruchteil der Verbraucher besucht Bauernhöfe und wählt das zu schlachtende Tier selbst aus. Noch weniger bleiben bis zur Tötung. Selbst hier wird also die Verbindung Tier-Töten-Fleisch in der Wahrnehmung unterbrochen.

Fleisch essen: nachhaltig?
Fleisch essen: nachhaltig?

Karnismus

Die Assoziation zwischen Produkt und Tod stellen die meisten nur noch schwach, wenn überhaupt irgendwie wahrhaftig her. Wo sie auftaucht, ist sie kulturell gefärbt: Nutztiere, so haben wir es gelernt, sind zum Essen da, während etwa Hunde als auch Katzen unsere treuesten Freunde sind. Dieses Phänomen ist so dominant, dass die US-Psychologin Melanie Joy dafür einen eigenen Begriff vorgeschlagen hat: Karnismus.

Dazu kommt, dass wir die Folgen von Gewalt insgesamt, auch gegen Menschen, in unserem Alltag nur noch selten sehen. Reale Opfer von Kriegen oder Verbrechen zeigen die Medien meist nur aus der Distanz oder beschränken sich auf Blutlachen. Gewalt in Spielfilmen wird meist zurückhaltend gezeigt und von uns auch als fiktiv erkannt. Es ist zumindest in Westeuropa also gewissermaßen normal, von drastischen Gewaltdarstellungen verschont zu bleiben.

Wer Fleisch isst, sollte sich mit dem Schlachten beschäftigen

Und dann konfrontieren uns Bilder vom Schlachten unmittelbar mit dem Leid und Tod eines empfindungsfähigen Wesens. Den Schnitt in Hals, Muskeln und Sehnen, den Haken im Fleisch, die Gedärme, die aus der Leibeshöhle quellen, assoziieren wir mit Gewalt und Schmerzen – Betäubung hin oder her. Und bei vielen Menschen wird Ekel ausgelöst. Dieses Gefühl soll uns vor der Gefahr warnen, die etwa von verwesendem Fleisch oder Kot ausgeht. Menschen lernen aber, es auf Dinge zu übertragen, die an die eigentliche Bedrohung nur erinnern.

Wer nun mit Fleischprodukten kaum noch die lebenden Tiere und ihr Sterben assoziiert und überhaupt selten mit den Folgen von Gewalt konfrontiert wurde, für den kann, ja muss diese Konfrontation mit den Folgen der Ernährung ein Schock sein.

Ein Schock übrigens, der auch auf Empathie hinweist, auf Mitgefühl und Mitleid. Die Erfahrung lehrt allerdings, dass man sich an solche Bilder gewöhnen kann, genauso wie an das Töten von Tieren selbst. Begriffe, die diesen Prozess beschreiben, sind Habituation und Adaption, aber auch Desensibilisierung und, um es drastisch auszudrücken: Abstumpfung. Wollen wir abwägen, was besser ist – Mitgefühl oder Gewöhnung – so werden die meisten wohl Mitgefühl bevorzugen.

Der Vorschlag, wer ein Tier essen möchte, solle es selbst töten, ist deshalb fragwürdig.

Aber wenn wir Fleisch konsumieren wollen, sollten wir uns mit den Folgen auseinandersetzen – wenigstens indem wir uns die Bilder anschauen, die den alltäglichen Vorgang des Schlachtens zeigen. Danach können wir entscheiden, ob wir dafür mitverantwortlich sein möchten. Wir müssen bewusster essen!

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Aspekt Umwelt und Klima.

Wer über Umweltschäden und Klimawandel sprechen möchte, der kommt um den Fleischkonsum nicht herum. Laut dem herausgebrachten Fleischatlas 2021 werden 70 Prozent der globalen landwirtschaftlichen Flächen für die Viehzucht genutzt.

Auf 40 Prozent dieser Fläche werden Futtermittel angebaut, vor allem Soja. Weil der Fleischhunger steigt und damit auch der Bedarf an Futter und Weideland für die Tiere, müssen Wald und Grasland weichen. Biodiversität und CO2-speichernde Pflanzen verschwinden damit auch.

Um ein Kilo Rindfleisch zu produzieren, sind im Schnitt mehr als 15.000 Liter Wasser notwendig. Die industrielle Massentierhaltung, die besonders viel Wasser verbraucht, hat ausgetrocknete Flüsse und Feuchtgebiete, sinkende Grundwasserspiegel und versalzene Böden zur Folge.

Die Liste der Verheerungen ließe sich noch eine Weile fortführen. Zum Beispiel mit den gesundheitlichen Folgen, die der außer Kontrolle geratene Fleischkonsum hat. Der Einsatz von Antibiotika führt zu multiresistenten Keimen und die Vernichtung von Ökosystemen zu einem munteren Austausch von Viren zwischen Menschen und Tier.

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